Spazieren
Viele Spaziergänger lassen Zeeland links liegen. Das ist ein grosser Fehler. Wenn man Ruhe, Weite und herrliche Landschaften sucht, kann man hier wunderbare Spaziergänge machen. Ein anderer guter Grund für Spaziergänge in Zoutelande ist das Wetter: Pro Jahr scheint die Sonne hier 160 Stunden mehr als sonstwo in den Niederlanden. Und hier gibt es eine herrliche frische Meeresluft, denn in Zeeland gibt es keine grossen Industrie-Anlagen.
Wie keine andere Provinz steht Zeeland im Zeichen des Wassers. Die zeeländische Küste hat breite Strände und bietet wunderbare Ausblicke über die Schelde. Von den Gipfeln der zouteländischen Dünen bietet die Küste von Walcheren ein herrlicher Ausblick. Der Strand glitzert in der Sonne und verläuft in einem freundlichen Bogen mit dem Meer, die Dünen zeigen die Schroffheit einer Bergkette und das Meer kann ab und zu unwahrscheinlich blau aufleuchten. Und an der Flutlinie entlang gehen immer Menschen, bei jedem Wetter. Zoutelande ist mit seinen vielen Cafes auch ein ausgezeichneter Rastplatz für Spaziergänger.
Empfohlene Spazierroute
Küste von Walcheren
Wer doch nur einen Tag Zeit hat für einen Spaziergang in Zeeland, könnte mal ein Stück des Deltaweges zwischen Vlissingen und Zoutelande entlang gehen. Die Aussichten über die Westerschelde sind wunderbar und auch die Dünen selber sind schön und sehr abwechslungsreich.
Die Route fängt auf dem Bahnhofsplatz in Vlissingen an. Wir überqueren die Schleusen im Kanal durch Walcheren und gehen ziemlich genau die Westerschelde entlang zum Meer. Die Stadt hat seine Wasserseite ziemlich modernisiert: Vom „Groene Boulevard“ aus bekommt man ein frisches Panorama des breiten Meeresarmes. Am Ufer entlang sind alte Kanonen aufgestellt und ein Erd-Festungswall aus napoleonischer Zeit ist rekonstruiert. Ein bronzener Soldat markiert die Stelle auf „Uncle Beach“ - dem Kodenamen für den Strand beim Slijkhaventje - an der britische und französische Soldaten in Dezember 1944 gelandet sind.. Seit 1987 erheischt ein Umwelmonument Aufmerksamkeit für den Streit gegen Umweltverschmutzung.
An der Oranjemühle, der Mühle in den Niederlanden die dem Meer
am nächsten steht, vorbei, kommt Vlissingen zum Leben. Das herausragende
Rondell ist eine schöne Tribüne um das Schauspiel des Lotsenwesens
zu beobachten. Superschnelle Boote, angetrieben durch feurige Wasserjets,
schiessen wie Katapulte aus dem Koopmanshafen heraus, um einlaufende und
ausfahrende Schiffe zu „jagen“. Sowie sie einen Lotsen abgeliefert
oder auch wieder eingefangen haben, kommen sie mit rasender Geschwindigkeit
zu ihrem Heimathafen am Fusse des ruhmreichen Michiel de Ruyter zurück
und warten auf die nächste Arbeit.
Vom Bellamypark aus schaut dieser „edle Menschenfreund“ und
Urvater des Lotsenwesen zu seinen modernen Fachbrüdern. Es ist noch
immer ein Risiko reicher Beruf, auch wenn die Lotsen, die Schiffbruch
erleiden, heutzutage zur Strafe nicht mehr aufgeknöpft werden. Niederländische
und belgische Lotsenboote liegen friedlich nebeneinander am Steg, aber
auch das ist anders gewesen. Als Belgien sich 1830 von den Niederlanden
abtrennte, wurde auch geregelt, dass flämische Lotsen sich auch an
der Schelde frei niederlassen durften, es entbrannte ein schwerer Konkurrenzstreit.
Da wurde darum gekämpft, wer als erster einen Lotsen an Bord eines
Seeschiffes bringen konnte, - wobei die Ruder nicht ausschliesslich nur
zum Rudern benutzt wurden.
Es gab viel Hin und Her über einen Verteilerschlüssel, aber
jetzt bedienen die niederländischen Lotsen alle Schiffe die zu niederländischen
Häfen fahren oder daher kommen plus 27,5 Prozent der belgischen Schifffahrt;
der Rest ist die Arbeit für die Flamen. In der Praxis treten erst
drei belgischen Lotsen in Aktion bevor ein Niederländer an der Reihe
ist. Sie benutzen dazu gegenseitig ihre Boote.
Weiter gehen wir via dem Keizersbolwerk, am „Michieltje“ entlang, wie der Mann liebkosend genannt wird, der vom Knecht in einer Seilerei zum Admiral der Flotte aufstieg, und kommen auf oder unten am Boulevard de Ruyter heraus. Der Hang ist eine beliebte Stelle zum Herumhängen oder Spazieren, weil der Schiffsverkehr hier unmittelbar am Ufer entlang fährt und man durch die aufspritzenden Wellen so schön nassgespritzt wird.
Auf dem Boulevard gehen wir am Sardijnturm und am Gefangenenturm vorbei,
den Resten eines Stadttores aus dem 15. Jahrhundert. Früher bekamen
hier die Besucher Wasser und Brot serviert, heutzutage immerhin Seezunge
mit Brechbohnen auf einem Bett von Zitronengras.
Das war ganz anders als Willebrord Vlissingen besuchte (ungefähr
700 n.Chr.) als das salzige Zeeland nach sauberem Trinkwasser lechzte.
Nach der Überlieferung gab der englische Missionar seine Flasche
zum trinken an jeden durstigen Bettler, ohne dass die Flasche leer wurde.
Über den Inhalt der Flasche sind die Meinungen verteilt, auch über
die Frage, ob diese Flasche Vlissingen zu seinem Namen verholfen hat.
Das Stadtwappen würde dies bestätigen.
Bei der Windorgel verlassen wir den schönsten Boulevard der Niederlande
(sagen die Leute in Vlissingen), der abwechselnd die Namen von De Ruyter,
Bankert und Evertsen trägt und ursprünglich ein Seedeich ist.
Das gilt auch für die Dünenreihe nach Zoutelande, die vor uns
liegt. Bis 1200 wurden die Bewohner von Walcheren durch ein künstliches
Wehr geschützt; erst danach wurde der Deich mit Sand bedeckt. Das
Dorf Dishoek, ursprünglich Dyxhoec, erinnert noch daran.
Der Spaziergang kann jetzt auf drei verschiedenen Routen fortgesetzt werden;
über den Strand (alle 100 oder 200 Meter den Bauch einziehen um durch
die Pfahlreihen der Wellenbrecher zu passen), an der Innenseite der Dünen
entlang oder über die glänzenden Gipfel der Dünen. Der
letzte ist die meist spektakuläre Route, weil man Zeeland in zwei
Gestalten sieht, links Meer, rechts Land.
Der Dünengipfel bei Zoutelande ist der Höhepunkt des Spaziergang
in mehr als einem Gesichtspunkt. Nach verschiedenen Publikationen ist
dies die höchste Düne der Niederlande, sowie die Dünen
bei Zoutelande überhaupt die höchsten sind. Der höchste
„Gipfel“ ist dann auch 54 meter hoch und bietet eine wunderbare
Aussicht auf die „Zeeuwse Riviera“.
In Zoutelande erwartet uns das zweite Wunder von Willibrord: Der Brunnen
am Fuss der Düne ist die Stelle, an der er seinen Spazierstock in
den Boden stach und wo entgegen aller Erwartungen kristallklare Flüssigkeit
hochkam, Spa blau (Mineralwasser) oder so etwas. Sie schenken es heute
noch in Zoutelande aus.
Die Route Vlissingen-Zoutelande ist eine sehr gefragte Tour von 12 km, sie stimmt grösstenteils mit dem Deltaweg überein (weiss-rot markiert). Man folgt in Vlissingen den Promenaden und wähle danach den Strand oder einen der Dünenwege. Startpunkt ist NS-Bahnhof Vlissingen, Endpunkt die reformierte Kirche Zoutelande. Die Route ist nicht geeignet für Rollstuhlfahrer, Hunde sind erlaubt.
